MUSIK · PORTRÄT

Die Arbeit hinter dem Chorklang: Martina Elmer übernimmt das Management des BR Chors

Martina Elmer übernimmt am 1. November das Management des BR Chors. Was die Personalie über die Arbeit hinter dem Klang verrät – und was über die neue Managerin bislang noch offenbleibt.

Ein Chor tritt als ein einziger Klangkörper auf. Doch bevor Stimmen sich mischen, müssen Termine zusammenpassen, Proben angesetzt, Produktionen vorbereitet und Programme mit den verfügbaren Kräften abgestimmt werden. Beim Chor des Bayerischen Rundfunks übernimmt Martina Elmer zum 1. November 2026 das Management. Der Bayerische Rundfunk nennt als Aufgaben die personelle und organisatorische Leitung sowie die Mitwirkung an Programmplanung, Produktionen und Gastspielen.

Das ist ein Wechsel hinter den Kulissen – aber nicht am Rand der Kunst. Wer plant, welche Besetzungen möglich sind und wann ein Werk geprobt werden kann, gestaltet die Bedingungen, unter denen der Chor klingt. Wie Elmer diese Verantwortung ausfüllen will, ist bislang nicht öffentlich durch eigene Aussagen von ihr belegt. Ein Porträt muss hier deshalb zugleich ein Blick auf die Funktion sein, die sie übernimmt.

Planung ist Teil des Musizierens

Chormanagement bedeutet, künstlerische Vorhaben in einen Arbeitsalltag zu übersetzen: Welche Stimmen braucht ein Programm? Wie lassen sich Proben, Aufnahmen und Auftritte mit unterschiedlichen musikalischen Partnern koordinieren? Und wie bleibt Raum für ein eigenes Profil, wenn ein Rundfunkchor zugleich in Produktionen anderer Klangkörper eingebunden ist? Das sind Fragen, die sich aus dem Aufgabenfeld ergeben – nicht belegte Aussagen über Elmers konkrete Entscheidungen.

Wie eng Organisation und Klang miteinander verbunden sein können, beschrieb Susanne Vongries schon 2001 in einem Gespräch mit der Zeitschrift „Oper & Tanz“. Sie zählte damals Dienstpläne, Konzertorte, Verhandlungen mit Dirigenten und Solisten sowie die Konzeption eigener Konzerte zu ihrer Arbeit. Auch die Balance zwischen verschiedenen Epochen und Genres und die Pflege zeitgenössischer Musik waren für sie programmatische Anliegen. Das Gespräch dokumentiert Vongries’ damalige Perspektive; es sagt nicht voraus, welche Schwerpunkte Elmer setzen wird.

Ein Wechsel mit begrenztem öffentlichen Bild

Nach der BR-Mitteilung kommt Elmer vom Budapest Festival Orchestra, wo sie die künstlerische Programm- und Tourneeplanung geleitet habe. Zuvor sei sie acht Jahre Konzertreferentin bei den Salzburger Festspielen gewesen. Dort verantwortete sie laut Mitteilung in der Jubiläumssaison 2020/21 den Aufbau des spartenübergreifenden Jugendprogramms „jung & jede*r“. Als Studienfächer nennt der BR Angewandte Musikwissenschaft mit Klarinette, Betriebswirtschaft sowie Musik- und Kulturmanagement.

Das ergibt ein berufliches Profil an der Schnittstelle von Musik, Planung und Vermittlung. Was diese Stationen für Elmers Arbeit mit dem BR Chor bedeuten, lässt sich daraus jedoch nicht sicher ableiten. Ebenso offen ist, welche Vorhaben sie selbst als erste setzen möchte. Dafür braucht es ihre eigene Stimme – und mehr als eine Personalmitteilung.

Was hinter dem Klang sichtbar wird

Der Wechsel macht dennoch deutlich, dass künstlerische Kontinuität nicht allein am Dirigentenpult entsteht. Ein professioneller Chor braucht verlässliche Abläufe, eine tragfähige Personalplanung und Programme, die zu seinen Möglichkeiten und Aufgaben passen. Diese Arbeit hört man nicht als einzelne Stimme. Sie bestimmt aber mit, welche Musik überhaupt auf die Bühne und ins Studio gelangen kann.

Elmer übernimmt die Funktion in einem Haus, dessen Programmgestaltung eng mit künstlerischer Leitung und weiteren Partnern verbunden ist. Ob daraus neue Formate oder veränderte Akzente entstehen, ist derzeit nicht belegt. Das eigentliche Porträt ihrer Arbeit wird sich deshalb erst zeigen, wenn die Planung öffentlich hörbar wird: in den Werken, den Besetzungen und den Räumen, die der BR Chor künftig mit Klang füllt.

Redaktionell geprüft · 26. Oktober 2026

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