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Wer darf als Genie gelten?

Peter Shaffers „Amadeus“ erzählt von Mozart und Salieri – und davon, wie Bewunderung in Konkurrenz umschlägt. Am Staatsschauspiel Dresden inszeniert Daniela Löffner das Stück; die Premiere war bereits am 17. Oktober, eine weitere Vorstellung ist für den 26. Oktober angesetzt.

Am Staatsschauspiel Dresden ist für den 26. Oktober eine weitere Vorstellung von Peter Shaffers „Amadeus“ angesetzt. Die Premiere fand nach Angaben des Hauses bereits am 17. Oktober statt – ein Unterschied zum Themenvorschlag, der den 26. Oktober als Premierenabend nennt. Regie führt Daniela Löffner. Die Frage, die Shaffers Stück stellt, bleibt für den heutigen Kulturbetrieb reizvoll: Wer wird als Genie anerkannt, und wer entscheidet darüber?

Bewunderung, die zur Konkurrenz wird

Shaffer setzt den Hofkomponisten Antonio Salieri dem jüngeren Wolfgang Amadeus Mozart gegenüber. Der eine besitzt Stellung und Ansehen, der andere eine Begabung, die Salieri als überwältigend erlebt. Daraus entwickelt das Stück kein nüchternes Musikerporträt, sondern ein Drama über Anerkennung, Kränkung und die Vorstellung, künstlerischer Erfolg müsse einer gerechten Ordnung folgen. Die historische Rivalität, die das Stück erzählt, ist dabei kein Beleg für ein tatsächliches Komplott: „Amadeus“ ist ein Theaterstück, keine Dokumentation.

Seit seiner Uraufführung am Londoner National Theatre 1979 gehört das Werk zu Shaffers bekanntesten Dramen. Seine Spannung entsteht aus einem Widerspruch: Salieri ist nicht einfach der Unbegabte neben dem Genie. Er kennt die Regeln des Betriebs und kann sich darin behaupten; gerade deshalb trifft ihn die Begegnung mit Mozart so tief. Das Stück verknüpft die Frage nach außergewöhnlicher Begabung mit jener nach den Institutionen, die Kunst fördern, beurteilen und sichtbar machen.

Ein Ensemble, mehrere musikalische Stimmen

Für die Dresdner Inszenierung nennt das Staatsschauspiel elf Darstellerinnen und Darsteller, darunter Nahuel Häfliger, Jonas Holupirek, Sven Hönig, Friederike Ott und Simon Werdelis. Die Bühne gestaltet Claudia Kalinski, die Kostüme verantworten Kalinski und Daniela Selig. Matthias Erhard zeichnet für die Musik verantwortlich, Peter Lorenz für das Lichtdesign; Kerstin Behrens übernimmt die Dramaturgie. Gesang, Cello, Keyboard, Electronics, Schlagwerk und Klavier erweitern die Besetzung um Musikerinnen.

Das Haus beschreibt die Produktion als Künstlerporträt und Zeitpanorama des Wiener Hofs im späten 18. Jahrhundert. Wie sich diese Anlage auf der Bühne konkret entfaltet, lässt sich aus den Angaben allein nicht beurteilen. Ebenso wenig sollte man der Inszenierung eine bestimmte These über den heutigen Kulturbetrieb zuschreiben, solange das Team sie nicht selbst formuliert hat.

Die alte Frage im heutigen Betrieb

Als Anlass für einen Blick auf Arbeitsverhältnisse taugt das Stück dennoch: Kreative Arbeit entsteht selten außerhalb von Abhängigkeiten. Wer erhält Aufmerksamkeit, wer verfügt über Zugang und Ressourcen, wessen Leistung gilt als originell – und wer bleibt im Schatten? Shaffers Konflikt bündelt solche Fragen in zwei Figuren, deren Kräfte und Möglichkeiten ungleich verteilt sind. Eine heutige Inszenierung kann diese Konstellation neu gewichten; welche Akzente Löffner und ihr Team setzen, bleibt eine Frage an die Aufführung, nicht an ihre Vorankündigung.

Zu sehen ist „Amadeus“ im Schauspielhaus des Staatsschauspiels Dresden. Für den 26. Oktober führt das Haus die Vorstellung im Spielplan; die Premiere der Produktion liegt bereits zurück.

Redaktionell geprüft · 26. Oktober 2026

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