BÜHNE · VORSCHAU

Rosa Luxemburg im Medienwechsel

Ein Kinofilm, eine Graphic Novel, nun die Bühne: Das Deutsche Theater nimmt Rosa Luxemburgs Leben zum Ausgangspunkt einer neuen Produktion. Regisseurin Anica Tomić und Autorin Jelena Kovačić schreiben den Stoff in die Gegenwart fort.

Am 6. November kommt Rosa Luxemburg im Deutschen Theater nicht allein als historische Figur auf die Bühne, sondern als Bild, das bereits andere geprägt haben. „Rosa L.“ nimmt Margarethe von Trottas Kinofilm und Kate Evans’ Graphic Novel zum Ausgangspunkt. Regisseurin Anica Tomić und Autorin Jelena Kovačić bearbeiten den Stoff für die Bühne und schreiben ihn, so das Theater, ins Heute fort.

Die Frage ist damit nicht nur, wie Luxemburg dargestellt wird. Es geht auch darum, was beim Wechsel des Mediums sichtbar wird – und was sich verändert, wenn eine politische Denkerin, die als Filmfigur und gezeichnete Biografie vermittelt wurde, nun in einem Theaterraum erscheint.

Vom Kinobild zur gezeichneten Biografie

Von Trottas Film „Rosa Luxemburg“ kam 1986 in die Kinos. In einer Verbindung von Spiel- und Dokumentarszenen richtet er den Blick auf die politische Arbeit und das private Leben der Sozialistin. Die Rolle der Luxemburg spielte Barbara Sukowa. Der Film gibt einer historischen Person ein Gesicht, eine Stimme und eine Präsenz, die sich an der Darstellerin und an der filmischen Erzählung festmachen.

Kate Evans’ Graphic Novel „Red Rosa“ wählt einen anderen Weg. Zeichnung und Text können politische Gedanken in Bilder übersetzen und unterschiedliche Erzählebenen nebeneinanderstellen. Der Blick springt nicht durch einen Schnitt, sondern über die Seite: von der Figur zur Idee, vom historischen Zusammenhang zur gezeichneten Deutung. Was sich dabei verdichtet, ist nicht einfach ein Ersatz für Film oder Sachbuch, sondern eine eigene Form, Luxemburgs Leben und Denken zu erzählen.

Dass die Bühnenfassung beide Vorlagen nennt, ist ein Hinweis auf ihre Entstehung, aber noch keine genaue Beschreibung ihrer Ästhetik. Das Deutsche Theater kündigt keine konkrete Projektion, Bildfolge oder szenische Technik an. Sicher ist: Die Bearbeitung liegt bei Jelena Kovačić und Anica Tomić; Tomić führt Regie. Für Bühne, Kostüme, Musik und Licht sind Mila Mazić, Drina Krlić, Nenad Kovačić und Marco Scherle verantwortlich.

Eine historische Figur in der Gegenwart

Luxemburgs Biografie führt von ihrer Geburt 1871 im damaligen Russischen Kaiserreich über die politische Arbeit in Deutschland bis zu ihrer Ermordung in Berlin am 15. Januar 1919. Sie war Sozialistin, marxistische Theoretikerin und eine streitbare Stimme gegen Militarismus und Krieg. Das Theater verknüpft die Beschäftigung mit ihrem Denken ausdrücklich mit Gegenwartsfragen: Militarisierung, wachsender Nationalismus und Angst als politisches Instrument. Das ist die angekündigte Perspektive der Produktion, kein Urteil über ihre noch ausstehende Aufführung.

Der Medienwechsel stellt dabei eine besondere Aufgabe. Ein Film kann historische Situationen durch Montage und dokumentarisches Material rahmen; eine Graphic Novel organisiert sie als Folge gezeichneter Bilder. Auf der Bühne muss Geschichte im gemeinsamen Raum und in der Zeit des Spiels verhandelt werden. Welche Haltung das Ensemble zu Luxemburgs politischem Erbe einnimmt und wie sich die verschiedenen Vorlagen konkret in Sprache, Bewegung und Gestaltung übersetzen, lässt sich vor der Premiere nicht sicher sagen.

Zur Besetzung gehören Mareike Beykirch, Caner Sunar, Jörg Pose und Anastasia Gubareva. Ihre Rollenverteilung ist in der Ankündigung nicht ausgewiesen. Die Kammer des Deutschen Theaters wird damit zum Ort einer Uraufführung, die nicht bloß ein bekanntes Leben nacherzählt, sondern nach dem heutigen Gebrauch einer historischen Figur fragt: Wird Luxemburg vor allem erinnert, als Ikone betrachtet – oder als politische Denkerin neu gelesen? Eine Antwort kann erst die Inszenierung geben.

Redaktionell geprüft · 3. November 2026

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