Ein Körper ist nie ganz allein. Auf der Haut, im Darm und in den Flüssigkeiten, die ihn durchziehen, leben mikroskopische Organismen; zugleich ist der Körper ein Klangraum, der Schwingungen aufnimmt und weitergibt. Die Ausstellung „Inter Acting Buggy Worlds“ nimmt solche kaum sichtbaren Beziehungen zum Ausgangspunkt. Ab 5. November versammelt Mel e Logan in der Sala Terrena des Wiener Heiligenkreuzerhofs Malereien, Videoprojektionen und interaktive Klangskulpturen.
Die Galerie der Angewandten beschreibt die Arbeiten als Ergebnis einer Auseinandersetzung mit Körperflüssigkeiten und akustischer Aktivierung. Logan verbindet künstlerische Praxis mit wissenschaftlich inspirierten Motiven, ohne daraus ein Labor im engeren Sinn zu machen: Die Ausstellung setzt, so legen die Ankündigungen nahe, auf Vorstellungskraft, Übersetzung und spielerische Verbindung. Ihr Titel verspricht keine glatte Einheit, sondern ein Zusammenspiel von Welten, die sich berühren und verändern.
Mikroben als Mitspieler
Was im Alltag dem Blick entgeht, wird in Bildern und Klängen zur möglichen Gestalt. In der Ankündigung der Universitätsgalerie tauchen Darmbakterien als fantastische Vögel auf; mikroskopische Demodex-Milben erhalten eine menschenähnliche Erscheinung. Ein ausgestelltes Bild Logans, „Anthropomorphized Demodex“, ist als Acryl auf Leinwand ausgewiesen. Die Verwandlung ist keine wissenschaftliche Abbildung. Sie verschiebt vielmehr die Perspektive: Der Mensch erscheint nicht als souveränes Zentrum, sondern als Lebensraum, der von anderen Organismen mitgeprägt wird.
Zu den angekündigten Medien gehören auch interaktive Klangskulpturen, die Besucherinnen und Besucher über Antennen oder thereminähnliche Klanggeräte aktivieren können. Damit wird das Publikum nicht nur zum betrachtenden Gegenüber. Es soll Bewegungen und Klänge in die Ausstellung einbringen – eine Beteiligung, die eine zentrale Frage berührt: Wer setzt hier das Experiment? Die Künstlerin entwirft Situationen, doch die Aktivierung hängt auch von den Menschen im Raum ab. Das ist ein anderer Begriff von Teilnahme als der bloße Knopfdruck: Das Publikum wird Teil einer Versuchsanordnung, deren Ergebnis nicht vollständig feststeht.
Kunst und Forschung: keine gleiche Arbeitsteilung
Die Ausstellung knüpft an eine Tradition an, die die Angewandte mit dem „Salon“ und mit künstlerischen Tätigkeiten in Verbindung bringt, die von wissenschaftlicher Forschung beeinflusst waren. Solche Begegnungen zwischen Kunst und Wissenschaft sind nicht automatisch gleichberechtigt. Forschung kann Kunst mit Erkenntnissen, Verfahren und Begriffen versorgen; Kunst kann diese übersetzen, verschieben oder ihrer Eindeutigkeit entziehen. Wer dabei welche Rolle übernimmt, bleibt eine Frage, die sich an den konkreten Arbeiten messen lassen muss – und die eine Vorschau nicht abschließend beantworten kann.
Auch der Titel „Inter Acting Buggy Worlds“ deutet auf Störung und Bewegung: „Buggy“ kann an Fehler oder Fehlfunktionen erinnern, während „interacting“ Wechselwirkung bezeichnet. In Logans angekündigter Konstellation scheinen Organismen, technische Geräte und Menschen nicht sauber voneinander getrennt. Entscheidend ist deshalb weniger, ob Kunst hier Forschung illustriert, als wie sie deren Blickrichtung verändert: Was gilt als handelndes Subjekt, und was wird gewöhnlich zur bloßen Umgebung erklärt?
Ein Raum für offene Verbindungen
Die Ausstellung entsteht mit zahlreichen Künstlerinnen, Künstlern und Kollaborierenden, darunter Sonja Bäumel, Jana Saleh, Julie Jebeile, Charlotte Jarvis und Bela Borsodi. Diese breite Zusammenarbeit passt zu einem Thema, das den isolierten Einzelkörper infrage stellt. Zugleich wird sich erst vor Ort zeigen, wie Malereien, Projektionen und Klangobjekte räumlich zueinander stehen und ob ihre unterschiedlichen Sprachen ein gemeinsames Bild ergeben.
Die Eröffnung findet am 4. November um 18 Uhr statt; die Ausstellung ist vom 5. November 2026 bis 7. Januar 2027 in der Universitätsgalerie der Angewandten, Sala Terrena, Heiligenkreuzerhof, Stiege 7, Erdgeschoss, zu sehen. „Inter Acting Buggy Worlds“ lädt dazu ein, den Körper nicht als abgeschlossene Versuchsperson zu denken, sondern als Knoten in einem Geflecht. Wie weit diese Einladung trägt, hängt auch davon ab, welche Verbindungen das Publikum im Raum tatsächlich aktiviert.
Redaktionell geprüft · 1. November 2026


