Bernd Bartolome ist bildender Künstler, Autor und Entwickler neuer digitaler Kultur- und Wissensräume. Er arbeitet zwischen Kunst und Mathematik, Literatur und Technologie, philosophischer Reflexion und gesellschaftlicher Anwendung. Die verbindende Frage lautet: Wie verändern sich menschliche Kreativität, Erkenntnis und Kommunikation, wenn intelligente Systeme nicht nur Werkzeuge bleiben, sondern selbst an schöpferischen Prozessen teilnehmen?
Bartolome studierte Bildende Kunst und Mathematik in Stuttgart, Berlin und Paris. Ihn interessiert das Kunstwerk weniger als abgeschlossenes Objekt denn als Prozess, der sich unabhängig vom Urheber fortsetzen kann. Seit 2015 beschäftigt er sich intensiv mit künstlicher Intelligenz als künstlerischem Gegenüber. Daraus entwickelte sich SCULPTURE, ein autonom angelegtes, algorithmisches Werk, das fortlaufend neue Formen hervorbringt. Auf der Lindauer Biennale 2022 wurde dies in Skulptur, digitaler Generierung, Klang und Performance erfahrbar. In 8SECONDS begegnete die künstlich generierte Formensprache dem Tänzer Friedemann Vogel. Alle acht Sekunden entstand eine neue Skulptur, während ihre Vorgängerin verschwand. Vergänglichkeit wurde damit nicht zum Scheitern des Werks, sondern zu seinem eigentlichen Prinzip.
Dieses Nachdenken über Wirklichkeit, Zeit und Autorschaft prägt auch Bartolomes schriftstellerische Arbeit. In Kunstbüchern, Essays und literarischen Projekten untersucht er, was ein Werk ausmacht, wie Identität entsteht und wo die Grenzen zwischen menschlicher Wahrnehmung und künstlicher Intelligenz verlaufen. Seine Bücher verbinden bildnerisches Denken mit Sprache und öffnen Räume für ästhetische und philosophische Erfahrungen. Die VersLibre Edition gibt diesen Arbeiten eine verlegerische Form.
Aus der künstlerischen Forschung erwuchsen schließlich Anwendungen weit über den Kunstbetrieb hinaus. Als Initiator der gemeinnützigen Stiftung Infinite Sculpture verbindet Bartolome die Auseinandersetzung mit einem neuen Werkbegriff mit der Entwicklung zeitgemäßer Formen kultureller Teilhabe. Mit HeyAI entstanden dialogische KI-Systeme für Kultur, Tourismus, Bildung und weitere Lebensbereiche. Menschen sollen Wissen nicht lediglich abrufen, sondern im Gespräch erschließen können: Fragen stellen, nachhaken, Zusammenhänge entdecken. Hinter der Technologie steht damit auch eine kulturelle Idee – der Zugang zu Wissen soll persönlicher, unmittelbarer und offener werden.
Auch seine Arbeit an digitalen Publikationsformen folgt diesem Ansatz. Ein Magazin ist für Bartolome nicht mehr nur eine Abfolge fertiger Artikel, sondern kann ein lebendiger Ort der Vermittlung werden: mit Texten, Bildern, Stimmen, Übersetzungen und der Möglichkeit, Inhalte dialogisch zu vertiefen. Die Entwicklung dieser Formate ist dabei nur die eine Seite seines Engagements. Er veröffentlicht hier ebenso eigene Beiträge und Essays. Dabei interessiert ihn besonders, was die großen Verschiebungen unserer Gegenwart für das menschliche Selbstverständnis bedeuten: für Kultur, Gesellschaft, politische Verantwortung und unser Verhältnis zur Technik.
So lässt sich seine Arbeit weder auf Kunst noch auf künstliche Intelligenz reduzieren. Beide sind Ausdruck desselben Interesses: Bestehende Formen nicht einfach zu reproduzieren, sondern ihre Voraussetzungen zu befragen und neue Möglichkeiten zu erproben. Bartolome betrachtet Technologie nicht als Ersatz menschlichen Denkens. Ihr Wert zeigt sich für ihn dort, wo sie Wahrnehmung erweitert, Erkenntnis ermöglicht und neue Formen der Begegnung eröffnet. Seine künstlerischen, literarischen und publizistischen Projekte kreisen letztlich um eine gemeinsame Frage: Was heißt es, Mensch zu sein – in einer Welt, deren Möglichkeiten wir selbst grundlegend verändern?
Bartolome.info
Infinite-Sculpture.com
HeyAI.world
HeyAI.life
Redaktionell geprüft · 29. Oktober 2026